14 February 2025

Mentale Gesundheit in der Rechtsbranche: Interview mit Dr. Franziska Haberl

„Unsere Chefin hat mehr Einfluss auf unser Wohlbefinden als unser Ehepartner.“

Nach meinem zweiten Staatsexamen habe ich zunächst die klassische juristische Laufbahn eingeschlagen – mit Stationen in einer Großkanzlei, als Richterin am Verwaltungsgericht Augsburg und später als Präsidialreferentin sowie Pressesprecherin am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Doch ich habe früh gemerkt, wie hoch der mentale Druck in der Rechtsbranche ist. Diese Erfahrungen haben mich dazu bewegt, als Coach für Jurist:innen mit einem besonderen Fokus auf mentale Gesundheit zu arbeiten.

Mentale Gesundheit bedeutet für mich mehr als nur das Vermeiden von Burnout. Es geht um Resilienz, Selbstführung und eine gesunde Balance zwischen beruflichem Erfolg und persönlichem Wohlbefinden. Gerade in der Rechtsbranche sind die Belastungen enorm: hoher Leistungsdruck, lange Arbeitszeiten und eine Kultur, die mentale Gesundheit oft noch nicht genug berücksichtigt. Schon die Ausbildung an den Universitäten und im Referendariat setzt Studierende einem extremen Druck aus, der sich später im Berufsleben fortsetzt.

Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Förderung mentaler Gesundheit geht. Eine gesunde Unternehmenskultur kann Stress reduzieren und ein Umfeld schaffen, in dem mentale Gesundheit nicht nur ein Randthema ist. Leider fehlt es in der juristischen Branche oft noch an Bewusstsein für dieses Thema. Hier braucht es gezielte Maßnahmen, um den Wandel zu fördern.

Ich setze mich für präventive Strategien ein – sei es durch Routinen, Selbstmanagement oder strukturelle Veränderungen im Arbeitsumfeld. Mentale Gesundheit ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg und Zufriedenheit im Berufsleben.

Mehr zu diesem Thema könnt ihr in meinem Interview in der ZURe 1 | 2025 | Februar 2025 | 3. Jahrgang (S. 53 ff.) lesen.